EU entscheidet über die Zukunft von Leinsaaten

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Foto: Flachs © Susanne Jutzeler, suju-foto auf Pixabay
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(lifePR) ( Berlin,  ). Leinsaaten sind knapp. Europa importiert mehr als 80 Prozent. Die Politik entscheidet über künftige Importe. Auf der Kippe steht das Grundprinzip einer auf wissenschaftlichen Erkenntnissen begründeten EU-Lebensmittelsicherheit.

Auf Initiative der EU-Kommission hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA eine Risikobewertung für das Pflanzenschutzmittel Haloxyfop in Leinsaaten vorgenommen und einen angepassten Grenzwert vorgeschlagen. Aktuell entspricht dieser der analytischen Nachweisgrenze. Haloxyfop wird weltweit als Herbizid eingesetzt.

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlamentes plädiert derzeit für die Beibehaltung des aktuellen Zustands. Setzt sich diese Ansicht bei der bevorstehenden Abstimmung im Parlament durch, wird das EU-weit gültige Prinzip der risikobasierten Lebensmittelsicherheit in Frage gestellt und der Import von Leinsaaten nahezu unmöglich. Gesetzliche Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit legt die Politik bislang auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse fest. “Wir beobachten, dass sich politische Entscheidungen von sachgerechten Risikobewertungen entfernen. Das stört das Grundprinzip der risikobasierten Lebensmittelsicherheit, belastet das Investitionsklima und gefährdet Arbeitsplätze. Um die Versorgung mit Leinsaaten in Lebens- und Futtermitteln sowie die Nutzung als nachwachsender Rohstoff aufrecht zu erhalten, fordern wir das Europäische Parlament auf, dem von EU-Kommission und Mitgliedsstaaten unterstützten EFSA-Vorschlag, der Etablierung einer Importtoleranz für Haloxyfop in Leinsaaten, zuzustimmen”, so OVID-Geschäftsführer Dr. Gerhard Brankatschk.

Leinsaaten sind in Europa ein knapper Rohstoff. Die Europäische Union war 2019 auf Importe von 737.000 Tonnen angewiesen. In Deutschland verarbeiteten vorwiegend mittelständische Ölmühlen im letzten Jahr rund 150.000 Tonnen; die Ernte in Deutschland betrug nur etwa 5.000 Tonnen. Dazu Detlef Volz, Geschäftsführer der Ölmühle C. Thywissen in Neuss: “Aufgrund der aktuellen Situation erleben wir bereits heute eine massive Beeinträchtigung von Leinsaaten-Einfuhren. Wenn die Politik von einer sach- und fachlichen Risikobewertung Abschied nimmt, steht der Standort der heimischen Verarbeitung auf dem Spiel.”
Aus Leinsaaten gewinnen die Ölmühlen Schrot und Öl. Während Leinschrot beliebtes Futter in der Pferdezucht ist, zählt Leinöl zu den gesündesten Pflanzenölen überhaupt. Häufig wird Leinöl als Bindemittel zur Herstellung von Farben, Lacken und Fußbodenbelägen eingesetzt und ist seit Jahrhunderten ein natürlicher Holzschutz für Möbel, Fenster oder Türen.